GRAPHOLOGIE

FACETTEN DER PERSÖNLICHKEIT


Graphologie, Forensik, Kalligraphie, Autographen


Frankreich
Die moderne Graphologie hat ihren Ursprung im Frankreich. Ein Geistlicher, Abbé Michon, sammelte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts systematisch Handschriften und notierte seine Beobachtungen dazu. Von ihm stammt auch die Bezeichnung "Graphologie".
Michon hatte zahlreiche Nachfolger, in Frankreich und in vielen weiteren Ländern Europas.
Deutschsprachige
Länder
In den deutschsprachigen Ländern, vor allem in Deutschland, interessierte man sich vermehrt für die Wissenschaft der Handschriftendeutung. Vor allem Mediziner wie der Neurologe Rudolf Pophal, Naturwissenschaftler wie Christian Dettweiler und Mathematiker wie Bernhard Wittlich sahen darin Möglichkeiten, die eigenen Diagnostikmöglichkeiten auszuweiten und zu ergänzen. Dieser Zweig wird bis heute von Spezialisten gepflegt.
Weitere Länder
In anderen Ländern (z. B. Italien, Tschechien, Grossbritannien) wurden ebenfalls Systeme der Graphologie entwickelt.
Aktuelle Situation
Heute bietet sich ein breites Spektrum an Arbeitsansätzen, die weiterentwickelt werden. Dazu zählt insbesondere die Entwicklung und Nutzung von Computerprogrammen.

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Bedeutung

Graphologie: Das Wort ist eine Neuschöpfung des 19. Jahrhunderts.
Elemente: griechisch gráphein, "schreiben" und lógos, "Wort, Kunde, Bedeutung".

Antike

Schon aus dem antiken Griechenland und Rom sind Texte überliefert, welche auf charakteristische Merkmale in Handschriften aufmerksam machen.

China

Für die Chinesen ist es schon vor 2000 Jahren selbstverständlich, dass eine Handschrift Rückschlüsse auf die schreibende Person zulässt.

Europa

In Renaissance und Aufklärung wurden die Naturwissenschaften besonders gepflegt, daneben auch das Kulturgut aus der Antike. Beobachten, Sammeln, Protokollieren und Ordnen bildeten die Basis für die modernen Wissenschaften wie beispielsweise die Medizin. Systematiken wie jene von Linné sind noch heute verbindlich: die lateinischen Pflanzennamen gehen auf seine Erkenntnisse zurück und in Analogie dazu wurde auch die Tierwelt entsprechend katalogisiert.

Der Beginn der modernen Graphologie ist im 19. Jahrhundert anzusetzen, als in Frankreich systematische Kataloge der Handschriftmerkmale angelegt wurden.

Aufgeschlossene und interessierte Persönlichkeiten der europäischen Kultur interessierten sich häufig für die Handschriften. Unter anderem ist von Johann Wolfgang von Goethe und seinem zürcherischen Freund Johann Caspar Lavater ein schriftlicher Austausch über entsprechende Beobachtungen erhalten.

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Von Einzelzeichen...

Zu Beginn war die Graphologie stark auf Einzelzeichen konzentriert. Aufgrund von solchen Zeichen wurde auf bestimmte Persönlichkeitseigenschaften geschlossen. Es versteht sich, dass so nur ein sehr grob gerastertes Bild einer Persönlichkeit gewonnen werden konnte.
Nichtsdestotrotz sind heute auch im Internet derartig konstruierte "Selbsttests" zu finden - und leider meinen Gutgläubige auch heute noch, dies sei die Art, wie die Graphologie noch immer betrieben werde!

...zur Psychologie...

Bald wurde jedoch klar, dass die "Kochbuchgraphologie" (ein bestimmtes Zeichen weist auf eine bestimmte Eigenschaft hin) nicht funktionieren kann. Vermehrt wurden auch Erkenntnisse der Psychologie (damals noch stärker mit der Medizin verbunden als heute) beigezogen. Untersuchungen und Testmethoden wurden entwickelt und verfeinert. Dieser Prozess hält auch heute noch an, sodass die Diagnosemöglichkeiten zahlreicher und die Aussagen zunehmend präziser wurden.

...zur Medizin

Die Handschrift wird wesentlich vom Hirn aus gesteuert. Gerade die modernen Neurowissenschaften ermöglichen daher wichtige Erkenntnisse oder stützen und erklären frühere Beobachtungen und Thesen.
Die Schriftpsychologie (in der Umgangssprache ist nach wie vor "Graphologie" als Synonym gebräuchlich) zieht Erkenntnisse aus der Bewegungs- und Hirnphysiologie bei, ebenso bilden Psychologie, Tiefenpsychologie und Ausdruckskunde die Grundlage zu unserer Tätigkeit.

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Schriftvergleichung
Ein besonderes Gebiet ist die Schriftvergleichung. Anhand von verschiedenen Dokumenten wird untersucht, ob eine bestimmte Handschrift tatsächlich von der vorgegebenen Person stammt. Dazu braucht es fundierte graphologische Kenntnisse, damit beispielsweise der Bewegungsablauf oder die Druckgebung definiert und verglichen werden können.
Forensik

Ebenfalls mit Handschriften befasst sich die forensische Schriftuntersuchung: Dokumente werden auf ihre Echtheit hin überprüft.
Dies geschieht vor allem mit speziellen physikalischen Methoden, z. B. mit UV-Licht oder mit chemischen Analysen der Schreibflüssigkeit (Tinte, Paste, Gel usw.)

Gefälschter Check von Auge
So sieht der Check von Auge aus.
Checkfälschung unter UV-Licht
Checkfälschung unter UV-Beleuchtung

Unter UV-Beleuchtung (violett) wird sichtbar, dass das zweite Wort "null" sowie die letzte Null mit einem anderen Schreibzeug angefügt worden sind.
Zudem wurde versucht, die Währung "FF" in "CHF" zu ändern.
(Foto Kantonspolizei Zürich).

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Graphotherapie
Ein Sondergebiet ist auch die Graphotherapie: Sie setzt bei der Tatsache an, dass Schreiben im Wesentlichen vom Hirn aus gesteuert wird.
Mittels ganz gezielter Übungen können Bewegungsabläufe trainiert werden, die schliesslich auch therapeutische Wirkung haben, beispielsweise indem Verkrampfungen infolge einer Hirnverletzung wieder gelöst werden können.
Die Schreibbewegungstherapie hat einen Bezug zur Bewegungserziehung, zur Atem-Therapie und zur Musiktherapie.
Kalligraphie
Kalligraphie ist die Kunst des Schönschreibens, die in verschiedenen Kulturen von alters her gepflegt wird. Kalligraphie ist in China, Japan und in arabischen Ländern eine hoch geschätzte Kunst.
Kalligraphie Mit speziellen Federn und Tinten, in China auch mit Pinseln, werden Dokumente gestaltet, vom einfachen Schriftzug bis hin zu ornamentalen Kunstwerken.
Autographen
Sammler von Autographen interessieren sich für handschriftliche Zeugnisse von berühmten, hauptsächlich historischen Persönlichkeiten. Autographen sind alle eigenhändigen Texte, von der Unterschrift bis hin zum umfangreichen Manuskript. Autographensammler interessieren sich für kleine Korrekturen, Randnoten, kurze Notizen, Widmungsblätter, Briefe, Gedichte, Notenschriften bis zu ganzen Manuskripten von Büchern. Von Interesse ist für diese Sammler das Handschriftliche als authentisches Zeugnis einer Persönlichkeit in ihrer Zeit. Umfassende Informationen sind bei der Arbeitsgemeinschaft der Autographensammler e.V. zu finden.

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Mehr über das Themenspektrum Handschriften sowie zahlreiche Publikationen finden Sie auf www.grafologie.ch

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